Lehrer und freier Schriftsteller in Peking
lebt mit Frau und Kind seit Wochen in seiner Wohnung in Quarantäne


04. April 2020 - 10:00 Uhr


„Die Kritiker sprechen Schwächen in der Datenlage an, die in der Tat bedenklich sind. Tatsächlich weiß derzeit noch niemand genau, wie gefährlich das neue Coronavirus wirklich ist, welche Maßnahmen wirklich notwendig sind und wie viele Tote es am Ende geben könnte. Diese Unsicherheit geht aber in beide Richtungen. Die Gefahr könnte sowohl über- als auch unterschätzt werden. Zudem verbreitet sich das Virus rasend schnell. Würde man erst so lange forschen, bis man die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen bewiesen hätte, könnte es längst zu spät sein. Die derzeitige Datenlage ist eine vorläufige.“

Wenn man nichts macht, die Pandemie also laufen lässt, verdoppelt sich die Zahl der Ansteckungen alle drei Tage. Davon sind wir inzwischen runter, weil wir die Pandemie eben nicht laufen lassen, obwohl wir sie noch nicht vollständig verstanden haben und die Datenlage unvollständig ist. Dieses Vorgehen halte ich für sinnvoll und dafür plädiert auch der Artikel.

Verglichen mit schnöder Grippe wiederum ist die Ansteckungsrate in der Tat sehr schnell, weil es noch keine Immunität in der Bevölkerung gibt und wegen der vergleichsweise langen schon infektiösen Inkubationszeit von COVID-19.

Analyse der aktuellen Übersterblichkeit in Italien. Solche Berichte gibt es seit vergangener Woche, aber der Heise-Artikel erklärt die Angelegenheit sehr gut.

Es gibt das Argument: „Die Leute sterben mit Covid-19, aber nicht an Covid-19, weshalb die Letalität überschätzt wird.“

Es spricht vieles dafür, dass das Gegenteil richtig ist: In Italien rafft das Virus nicht weniger, sondern sogar noch viel mehr Menschen dahin, als in den offiziellen Statistiken auftauchen. In ganz Italien und Spanien starben im März viel mehr Menschen als normal um diese Zeit, wobei dieser Effekt in Städten und Gemeinden mit vielen SARS-CoV-2-Infektionen besonders stark ist. So gut wie jeder mit Corona Gestorbene ist auch an Corona gestorben. Covid-19 verursacht nicht nur akutes Lungenversagen, sondern auch septische Schocks, Herzinfarkt, Nierenversagen und Enzephalitis (siehe unten). Bei allen Covid-Toten war ein Covid-Symptom die Todesursache, sonst zählt es nicht. Falls ein Infizierter ausnahmsweise tatsächlich durch was anderes stirbt, z. B. einen Auto-Unfall, dann gilt der nicht als Coronatoter. In Italien sterben normal 1.700 Menschen am Tag, jetzt seit zwei Wochen 2.600. In Bergamo sterben im Schnitt 3,3 Menschen am Tag, inzwischen über 50. Was bringt diese Leute auf einmal alle um?

Krankenhauskeime, Luftverschmutzung und andere Faktoren gibt es dort alle schon ewig. Warum sind die Menschen in den vergangenen Jahren nicht massenweise daran gestorben, jetzt auf einmal aber schon? Unfallopfer werden nicht als Coronatote gezählt, aber andersrum gibt es viele Coronatote, die nicht in der Statistik auftauchen. Zum einen schaffen es viele nicht ins Krankenhaus, sondern sterben einsam zu Hause. Die werden nicht immer post mortem getestet und wenn doch, dann erst mit großer Verzögerung. Zweitens gibt es viele Tote ohne typische Covid-Symptome, weil das Virus auch das Gehirn und das Zentrale Nervensystem befällt (siehe auch hier und hier). Die Betroffenen kriegen dann Schlaganfälle, epileptische Anfälle, plötzlichen Herz- oder Atemstillstand und fallen innerhalb von Stunden einfach tot um, ohne dass sie Husten, Schnupfen, Fieber oder andere Atemwegssymptome gehabt hätten. Dieser Befall des ZNS ist auch der Grund, aus dem 30% der Covid-Patienten einen Geschmacks- und Geruchssinnverlust erleiden. Solche Todesfälle fallen ebenfalls oft durchs Raster, weil man da kein Covid vermutet und dementsprechend nicht testet.

In der Stadt Nembro (11.500 Einwohner) in der Gemeinde Bergamo starben zwischen dem 1. Januar und dem 19. März 2020 insgesamt 158 Menschen, in den vorhergehenden Jahren aber durchschnittlich nur 35 im selben Zeitraum. Das sind dieses Jahr 123 oder 4,5 Mal mehr Tote als normal. Von denen wurden aber nur 31 (das sind 25 %) als Covid-Opfer ein-gestuft.

In Cernusco sul Naviglio und Pesaro lag die Zahl der anormalen Todesfälle sogar 6,1 bzw. 10,4 Mal höher als die offiziell gemeldeten Covid-19-Sterbefälle.

In der Stadt Bergamo selbst gab es diesen März 533 Todesfälle, 2019 waren es 125. Als Covid-19-Tote wurden aber nur 201 aufgelistet, die anderen 207 übersterblichen Todesfälle bleiben damit unerklärt.

In der Provinz Bergamo mit ihren 1,1 Millionen Einwohnern starben im März 2019 insgesamt 900, diesen März aber 5.400 Menschen. Das sind 4.500 bzw. 6 Mal mehr Tote als normal. Ein Zusammenhang mit Covid-19 wurde aber nur bei 2.060 Todesfällen offiziell gemeldet, also nur bei 45 % der zusätzlich Gestorbenen.

Die offiziellen Sterbezahlen überschätzen die Zahl der Coronatoten nicht, sondern unterschätzen sie in Hotspots um den Faktor 2 bis 6. Wahrscheinlich wird hin und wieder mal einer als Coronatoter klassifiziert, der eigentlich aus einem anderen Grund gestorben ist, aber demgegenüber stehen Tausende tatsächliche Opfer des Virus, die nicht als solche erfasst werden.

Man hört dann auch Entgegnungen wie die, wonach die höhere Zahl der Toten neben der Coronavirus-Pandemie mit dem überforderten Gesundheitssystem zu tun haben könne, durch das auch andere gefährdete und alte Patienten in den Krankenhäusern nicht entsprechend behandelt werden konnten, zumal viele Haus- und Krankenhausärzte selbst infiziert seien. Unversorgte und unbehandelte Menschen zuhause oder in Altersheimen könnten vermehrt gestorben sein.

Das alles wäre aber ebenso eine reale Folge der Pandemie und dieser damit selbstverständlich zuzurechnen. Die Menschen sind tot. Wäre Corona nicht, wären sie nicht tot. Ergo ist Corona der Tod kausal zurechenbar. Die Letalität des Virus selbst hängt von der Auslastung des Gesundheitssystems ab. Wenn die Intensivstationen voll und die Beatmungsgeräte be-legt sind, steigt die CFR im Handumdrehen von 1 % auf 5 %. Beim totalen Zusammenbruch kann es sogar Richtung 15 % gehen, denn so viele brauchen zumindest Sauerstoff im Krankenhaus.

Wir wissen aus Norditalien, dass Covid-19 über Wochen hinweg 15 Mal mehr Menschen als alle anderen Todesursachen zusammen umbringen kann. Auf ganz Italien hochgerechnet wären das 25.000 Tote pro Tag, in Deutschland 33.000 pro Tag.

Ende März hörte man aus Norditalien, regional sei die Übersterblichkeit insgesamt bis zu sechsmal höher als die Zahl der Toten, die offiziell als mit Corona assoziiert gemeldet wurden. In Wahrheit rafft das Virus noch sehr viel mehr Menschen dahin, als in den offiziellen Statistiken landen. Erstens sind bisher erst ungefähr 0,1 % der Erdbevölkerung infiziert. Zweitens dauert es nach der Infektion im Schnitt drei Wochen, bis man daran stirbt. Allein von den aktuell bereits infizierten werden in den kommenden drei Wochen mindestens 250.000 sterben. Wie schwer ist es, das zu antizipieren? Und wie schwer ist der Dreisatz, dass noch mindestens 500 Mal mehr sterben werden, wenn sich noch 500 Mal mehr Menschen infizieren? Dabei ist die Überlastung des Gesundheitssystems, welche die CFR von 1 % auf 5 % steigen lässt, noch gar nicht mitgerechnet.

Quellen:
"Warum die Corona-Krise keine Übertreibung ist"
"In der Lombardei gibt es viel mehr mit Corona verbundene Tote als offiziell gemelde"
"Some Coronavirus Patients Show Signs of Brain Ailments"
"The neuroinvasive potential of SARS‐CoV2 may play a role in the respiratory failure of COVID‐19 patients"
"Neurotropie des Coronavirus könnte eine Rolle bei schweren SARS-CoV2-Verläufen spielen"
"Lungenversagen bei Covid-19 - Atemstillstand könnte auch zentrale Ursache haben"



20. März 2020 - 12:00 Uhr


Es stimmt, dass in der Vergangenheit unglaublich viel Hysterie auf Basis fragwürdiger „wissenschaftlicher“ Evidenz entstanden ist. Das bedeutet aber doch nicht, dass grundsätzlich hinter ALLEM nur eine „Verschwörung“ steckt.

Wieso sollten rationale Menschen, die in der Vergangenheit vor dem Klimahype und vielen anderen Dingen gewarnt haben, jetzt auf einmal „einfach nur Panik“ schüren? Ich störe mich überhaupt an dem Wort „Panikmache“ und gehe damit Dr. Osterholm einher. Ich renne nicht mit meinen Armen umherfuchtelnd durch die Gegend und kreische „Der Untergang ist nah“ oder Ähnliches, nicht einmal nach knapp acht Wochen Quarantäne. Ich weise auf die nüchternen Zahlen und empirische Erfahrungen hin.

Es stimmt auch, dass dieser Coronavirus selbstverständlich vom Staat dafür „missbraucht“ wird, dass nun alle möglichen Fehlentscheidungen der Vergangenheit und Gegenwart damit gerechtfertigt werden. Das bedeutet aber doch nicht, dass dieser Virus deshalb ungefährlich wäre. Deswegen sage ich: Ihr habt ZWEI reale Probleme. Den kranken Staat UND (!) ein reales und tödliches Virus.

Freunde meiner Frau in Hubei haben gefilmt, wie die Leichen ihrer Nachbarn aus Wohnblöcken abtransportiert wurden. Was müsste denn geschehen, bis nicht mehr alles nur „ein Gefühl“ der Bedrohung o.Ä. wäre?

Gibt es aufgrund des Umstandes, dass der deutsche Staat inkompetent ist, deshalb keine realen Gefahren NEBEN ihm mehr? Ich halte das für verantwortungslos (und in gewisser Weise extremistisch). Es ist doch viel eher so, dass GERADE der Staat mit einer REALEN Gefahr offensichtlich nicht umgehen kann. Das bedeutet aber nicht, dass die Gefahr nicht besteht, Himmelherrgott.



16. März 2020 - 12:00 Uhr


Es scheint in der gegenwärtigen Situation schier unmöglich geworden zu sein, noch normal miteinander kommunizieren zu können, wenn es um die aktuelle Krise geht. Was auch immer geäußert wird, irgendeine Seite verfällt in Schnappatmung. Die Nerven liegen blank. Der Stresslevel hat den roten Bereich auf den Armaturen erreicht.

Rationale Argumente, empirische Untersuchungen, statistische Erhebungen oder Vergleiche – alles wird in einem emotional durch und durch aufgeheizten Klima eines sich im Untergang befindenden Systems ausgelegt, wie es die eigene Psychohygiene augenblicklich benötigt: Als Verharmlosung, Apologie, Hysterie, Voreingenommenheit – in jedem Falle aber als Provokation.

Ich persönlich – seit nunmehr bald sieben Jahren in China lebend und beinahe alle Provinzen besucht habend – stehe dadurch, dass ich eingehend mit den hiesigen Gepflogenheiten hüben wie drüben vertraut bin und als Historiker ebenso viel Zeit in das Studium der jeweiligen Geistes- und Kulturgeschichte investiert habe, seit jeher zwischen den Stühlen. Ich liebe die Vorteile aus jeder Welt und kritisiere die Nachteile. Das ist freilich nichts Außergewöhnliches.

Dieser Umstand führt in der Praxis jedoch regelmäßig dazu, dass sich irgendwer ganz fürchterlich auf den Schlips getreten fühlt. Für diverse Chinesen, mehr noch aber einige Kollegen, (ehemalige) Weggefährten oder „User“ bin ich ein „Scheißkapitalist“, der doch nicht allen Ernstes ein gutes Haar an den Vereinigten Staaten lassen könne, würden diese doch regelmäßig „die Welt erpressen und ausbeuten“. Allerdings wäre die Welt ohne „den Westen“ und insbesondere die USA meines Erachtens ein tristerer, vor allem aber weniger entwickelter Planet. Die Gründe hierfür sollen jetzt nicht aufgeführt werden. Die Stunden, in denen ich mich in meinem privaten chinesischen Umfeld kritisch über diverse Begebenheiten in China ausgelassen und mitunter sehr angeregte, manchmal hitzige Diskussionen geführt habe, sind mittlerweile nicht mehr zählbar.

Verhält es sich jedoch umgekehrt, indem ich positive Seiten Chinas hervorhebe und auch gegen (meist historisch nicht haltbare) Falschbehauptungen verteidige, tritt das andere Grüppchen mit Schaum vorm Mund hervor. Plötzlich bin ich nicht mehr „Scheißkapitalist“, sondern „undifferenziert“, „vom System gekauft“ und selbstverständlich ausschließlich subjektiv in meiner Betrachtung allgemeiner Entwicklungen.

Man sollte annehmen, es sei eigentlich selbstverständlich, dass ich weder das eine noch das andere bin. Im engsten Kreis weiß man darum natürlich Bescheid, entsprechend ergiebig und konstruktiv sind dann auch Unterhaltungen. Beim Rest ist es ein wenig wie mit den etlichen politischen Lagern, aus deren Zentren mich reihum die irrsten und wildesten Anklagen erreichten und erreichen. Für Linke bin ich rechtsextrem, für Rechte, Identitäre und/oder Patrioten ein Vaterlandsverräter. Für Libertäre bin ich Etatist, für wieder andere zu ruhig, geduldig und zurückhaltend, für diverse andere Trolle hingegen gar menschenverachtend und arrogant. It goes on and on.

So what? Mein persönlicher Schluss lautet: Alles richtig gemacht. Es gibt ein wunderbares Zitat von der brillanten Ayn Rand, an das ich bei all dem Gekeife häufig denken muss:

„Einige der falschen Darstellungen mögen unabsichtlich sein, da einige Leute es schwierig finden, neue Ideen zu begreifen, ganz davon abgesehen, sie korrekt wiederzugeben. Aber die meisten Falschdarstellungen sind absichtlich, da ein Versuch, einem Schriftsteller das genaue Gegenteil seiner Ideen zuzuschreiben, kaum als unschuldiger Fehler angesehen werden kann. Es gibt viele solche Versuche, und einige von ihnen sind noch recht aktuell. Wer sie glaubt, verdient sie. Mike Wallace fragte mich einmal in einem Fernsehinterview, was ich von solchen Taktiken hielte. Ich sagte, dass ich einer Zeile aus Kiplings Gedicht ‚Wenn…‘ zustimme: ‚Wenn du die Worte, die du mal gesprochen, aus Narrenmäulern umgedreht vernimmst…‘, dann macht mir das nichts. Es sind nicht die Narren, die ich ansprechen will.“

Ich bin mir also im Klaren darüber, dass die folgenden Gedanken bezüglich der aktuellen Corona-Seuche stets irgendwen bis zum Anschlag „triggern“ wird. Ist aber irrelevant. Zur Verdeutlichung werde ich an entsprechenden Stellen hinzufügen, wo sich irgendeine Seite erfahrungsgemäß sofort „provoziert“ fühlen wird.

Meine persönlichen Erfahrungen in China decken sich relativ gut mit anderen Bekannten, die diese Epidemie ebenfalls hierzulande erleben – oder, optimistisch gesprochen, bald überstanden haben. Insgesamt befinde ich mich mit meiner Familie nunmehr seit sieben Wochen in Quarantäne. Das Virus hatte nicht lange Zeit benötigt, um auch in der Hauptstadt einzutreffen – von Wuhan aus eine beinahe doppelt so weite Distanz wie beispielsweise zwischen Bayern und Norditalien, was mich bereits vor Wochen skeptisch machte, wieso die Sache offenbar kaum irgendjemand in Deutschland ernst nahm. Erfahrungsberichte aus Italien klingen eins zu eins so wie meine eigenen, mit dem Unterschied, dass ich (und natürlich nicht nur ich!) bereits fünf Wochen zuvor davon berichtet hatte. Welche Maßnahmen, welche Vorkehrungen wurden getroffen?

Ich erlebe gegenwärtig, wie unter dem Deckmäntelchen der reinen „Systemkritik“ oder trotz irgendwelcher Lippenbekenntnisse einige Zeitgenossen oder „Freunde“ ganz unverhohlen ihren Hass und – ich sage es ganz gewiss nicht leichtfertig – ebenso eine rassistische (und damit kollektivistische) Grundhaltung gegenüber alles Chinesischen zur Schau stellen. Sie tun das völlig ungeniert und in einigen Fällen im vollen Bewusstsein, dass ich mit einer Chinesin (im Übrigen aus Wuhan) verheiratet bin. Na meinetwegen. Können sie tun. Eigentlich sollten solche Leute ganz, ganz still sein, wenn es um Ausführungen zum Kollektivismus geht. Dafür müsste einem jedoch überhaupt erstmal einer der vielen Widersprüche auffallen. Hier sind zwei meiner Favoriten:

1. Einerseits aus Leibeskräften auf China eindreschen, dass es das wahre Ausmaß der Corona-Katastrophe mit gefälschten Zahlen unterdrückt, andererseits jeden zur Sau machen, der vor einem zu leichtfertigen Umgang warnt und zur individuellen Vorsorge (inklusive Selbst-Quarantäne) rät, weil man damit ja nur der New World Order auf den Leim gehe. Was denn nun? Bei solchen Stilblüten braucht man Nerven wie Drahtseile oder jede Menge Humor.
2. Einerseits jede persönliche (vorübergehende!) Einschränkung der persönlichen Bewegungsfreiheit als die Ausgeburt blanken, totalitären Terrors und brachialer Willkür brandmarken, sich andererseits aber darüber echauffieren, dass der Chinese (selbstverständlich an sich) nicht sofort und umgehend an eben dieser Bewegungsfreiheit gehindert wurde und in andere Länder fliegen durfte.

Woran man erkennen kann, dass jemand letztlich nur billiges China-Bashing (als Ganzes) betreibt? Genau an denselben Merkmalen, an denen man erkennt, dass jemand Antisemit ist. Das, was anderen „Volksgruppen“ durchgelassen wird, wird Juden (bzw. Chinesen) nicht durchgelassen bzw. nicht ohne Hohn, Spott, Rachegelüsten und Wut. Unter jedem Grashalm wittert man die „kommunistische Weltverschwörung“. Vielleicht ist da sogar irgendwas dran, aber warum gerade jetzt und warum wegen Corona? War die Spanische Grippe auch eine kommunistische Weltverschwörung? Oder EHEC? Oder H1N1? Wie gesagt, es kommt für diese Leute nur darauf an, WO ein Unheil seinen Ursprung hat oder WER gegenwärtig an der jeweiligen Spitze eines Landes steht. Bezogen auf China wird augenblicklich von nicht wenigen aufgrund der unerträglich dummen und fahrlässigen Aktion einer oder mehrerer Individuen in Wuhan ein gesamtes Land in Sippenhaft genommen, ungeachtet des Umstandes, dass es (zumindest bisher) selbst nach wie vor am stärksten davon in Mitleidenschaft gezogen wurde und sich viele Wochen verzweifelt dagegen gestemmt hat.

Hygiene ist nach wie vor ein riesiges Problem in China und ich kritisiere diesen Umstand, seitdem ich hier wohne. Chinesen gehen im Allgemeinen mit Hygiene genauso unbedarft und blauäugig um wie mit ihren persönlichen Daten. Das wiederum ist meines Erachtens auf die katastrophale Zeit unter Mao zurückzuführen, als die (im Übrigen aus Deutschland importierte) Ideologie des Kommunismus zu Massenverhungern führte und Chinesen gezwungen waren, die mitunter ausgefallensten Tiere zu essen (z.B. Fledermäuse). Es ist sehr leicht, sich heute darüber lustig zu machen, aber der historische Hintergrund ist ein sehr tragischer. Bis heute hat sich diese Praxis ins Verständnis von Chinesen eingebrannt, auch wenn nur eine verschwindend kleine Minderheit derart „Exotisches“ konsumiert (ähnlich wie mit den Hunden).

In diesem sehr sehenswerten Clip vom 27. Februar analysiert und vergleicht ein Amerikaner allgemeine Maßnahmen, Zeitabstände, Infektionen etc. zwischen Corona und H1N1. Diejenigen, die China völliges Versagen und gar eine „kommunistische Attacke“ vorwerfen (ungeachtet des nicht ganz so logischen Umstandes, sich selbst zu dezimieren), müssten fairerweise erklären, welche „vorsätzliche Attacke“ sich vor einigen Jahren hinter H1N1 verbarg und in welchem Verhältnis die „frisierten Zahlen in China“ zu den „tatsächlichen“ von damals stehen: Natürlich sollte vollkommen klar sein, dass H1N1 weltweit medial völlig anders dargestellt worden wäre, wenn zu jenem Zeitpunkt nicht Obama, sondern Trump Präsident gewesen wäre. Von daher schrieb ich oben, es komme eben darauf an, WO das Unheil (wie eine Pandemie) seinen Anfang nimmt und UNTER WEM. Ich warte eigentlich nur darauf, dass die üblichen, moralisch flexiblen Mainstream-Blätter Trump für Corona verantwortlich machen. Entweder das oder eine „kommunistische Attacke zum Ziele der chinesischen Weltherrschaft“. Darunter geht nichts. Epidemien oder Pandemien können mittlerweile unmöglich mehr „nur“ eine furchtbare Angelegenheit darstellen, die man am besten gemeinsam bekämpft. – Nein, es müssen heutzutage grundsätzlich mindestens noch die Illuminaten, Freimaurer, Reptiloiden und weiß der Teufel noch wer mit im Boot sitzen. Oder eben China. Wer leise Zweifel kundtut oder gar handfeste Beweise und in sich konsistente Argumentationsketten haben möchte (zum Beispiel anhand eines kulturgeschichtlichen, psychologischen Musters), ist nur zu „naiv“, um dieses monströse, hochkomplexe Was-auch-immer zu begreifen. (Nur der historisch ahnungslose Schreihals ist im Bilde.)

Ein kleiner Exkurs: China hatte in seiner 8000 Jahre währenden Geschichte immer wieder die Chance, fremde Länder zu kolonisieren. Stets wurde darauf verzichtet. Allein die Flotte der Ming-Dynastie war größer als sämtliche europäische Flotten zusammengenommen. In sieben großen Überfahrten wurde nicht ein fremdes Land „besetzt“, obwohl es ein leichtes gewesen wäre. Der Grund besteht in Chinas Hauptphilosophien (Konfuzianismus, Taoismus, Buddhismus), die dem Land stets als moralischer Kompass dienten und nach wie vor dienen. Erst wenn diese durch die kommunistische Ideologie verdrängt werden würden, so meine Einschätzung, sollte sich der Rest der Welt ernsthaft Sorgen machen. Allerdings sehe ich hierfür keine Anzeichen. Nicht einmal Mao und 70-80 Millionen Tote vermochten die evolutionär gewachsenen und tief in Sitte, Kultur und Genetik eingebrannten Philosophien zu verdrängen. Eine Befragung unter chinesischen Schülern (also jungen Leuten) ergab, dass Konfuzius nach wie vor als ideologisch wichtigster und einflussreichster Chinese gilt.

Bei den Feierlichkeiten zum 15. Jahrestag der Wiedervereinigung Macaus mit der Volksrepublik China im Dezember 2014 fügte Xi Jinping dem seit 2013 von der Propagandaabteilung der KPCh weit verbreiteten Konzept Hu Jintaos das Vertrauen in die eigene Kultur (文化自信) hinzu, die die Basis für die drei anderen Formen des Selbstvertrauens ( = Sozialismus chinesischer Prägung, eigene Theorien, eigenes System) bilde. Irgendeinen Grund muss es geben, warum dieses Land über Jahrtausende hinweg niemals untergegangen ist. Ein ausschlaggebender besteht meines Erachtens in dem (friedlichen) Umgang mit dem Ausland. Nichts davon ficht China-Hasser an. Nichts davon wollen sie hören und wissen. Für sie ist China Kommunismus und nichts sonst. Alles Verbrecher. Ihre Einwohner hörige Lemminge. Ein Höllenloch eben. Ende der Durchsage. Da können sich Leute wie ich, Stefan Baron oder Gunnar Heinsohn die Münder fusselig reden bzw. die Finger wund schreiben. Dass ich und (erneut) etliche Millionen andere Chinesen mit hoher Wahrscheinlichkeit gegenwärtig nicht mehr am Leben wäre, sofern es sich um den klassischen Kommunismus nach marxistischem Vorbild handelte, tangiert die einseitig „Kritischen“ ebenfalls nicht. Ich und viele andere wären angesichts der aktuellen Lage mittlerweile nämlich verhungert, nachdem die Regale in den Supermärkten nach kurzer Zeit leer gewesen wären (siehe Venezuela). Stattdessen gab es zu keinem Zeitpunkt Versorgungsengpässe in Sachen Lebensmitteln, jedenfalls keine, die der Rede wert wären, nicht einmal in der Katastrophenprovinz Hubei, wo insgesamt rund 20 Verwandte meiner Frau und mehrere befreundete Ärzte und Krankenschwestern eingekesselt sind. (Es gab sogar durchgehend Klopapier!)

Und damit zurück zum aktuellen Dilemma.

Insgesamt sagen die offiziellen Zahlen in China, dass die Infektion quasi gestoppt ist – es gibt außerhalb Hubeis seit etwa dem 4. März keine Neuinfektionen mehr. Inwieweit man dem glauben darf/will/kann/soll, wage ich nicht zu beurteilen. Aber aus meiner Perspektive hat die chinesische Regierung relativ rasch extrem aggressiv und konsequent alles daran gesetzt, die Infektionsketten zu stoppen und das ist letztlich (relativ) gut gelungen. Dabei hatte Chunjie (das chinesische Neujahrsfest) einerseits zwar den großen Nachteil, dass im Land unglaublich viel gereist wird (vergleichbar etwa mit Thanksgiving in den USA), andererseits fährt China zu diesem Zeitpunkt einmal pro Jahr komplett herunter. Es ist sehr viel einfacher, den Unternehmen zu sagen, geschlossen zu bleiben, als bei laufendem Betrieb zu befehlen: „Ihr macht jetzt zu.“

Dazu kommt, dass man in China dank SARS Erfahrung mit dem Thema hatte: Kurze Zeit – ich würde sagen, zwei bis drei Tage, nachdem offenbar wurde, dass es eine neue Virusepidemie gibt, gingen die Menschen in Beijing, Shanghai, Guangzhou usw. nur noch mit Maske aus dem Haus und auch die sozialen Kontakte wurden extrem schnell heruntergefahren. Das alles trug auch dazu bei, dass die Infektionsketten unterbrochen wurden. Deutschland ist davon weit entfernt.

Ich kann nicht wirklich beurteilen, ob die Maßnahmen der Situation angemessen waren/sind. Das Problem bei all diesen Dingen ist (insbesondre in Ländern, die die Leute als „demokratisch“ interpretieren) Folgendes: Reagiert die Politik früh und stark, gibt es kaum ein Problem (siehe Taiwan: die haben die Grenzen am 2. Februar geschlossen: 55 Infizierte und ein Toter), aber unglaublich viele Leute werden dir erklären, dass die Maßnahmen völlig übertrieben waren und nur Panik geschürt wurde. Reagiert man zu spät, steigen die Todesfälle und es kommt erst recht zu einer Panik.

Am Ende ist es schwierig zu sagen, was letztlich schwerer wiegt: Einige tausend/zehntausend zusätzliche Tote oder der wirtschaftliche Schaden + eine schwer abschätzbare Zahl an Toten wegen Ausfall von Lieferketten, Vermögensverlusten usw. usf. – Ethische Dilemmata, die sich kaum auflösen lassen, solange Zwangspolitik nach wie vor als „alternativlos“ betrachtet wird. Etliche Libertäre scheinen außer Aluhut-Stories und wirrem Individualitätsgefasel auf diese Fragen keine Antworten zu haben. Dabei gäbe es gerade die Antwort der individuellen Verantwortung: Nicht nur sich selbst durch vernünftiges Handeln und Vorsorge schützen, sondern auch die anderen Mitglieder der Gesellschaft – z.B. indem man in der Öffentlichkeit eine Maske trägt und soziale Kontakte einschränkt. Stattdessen hört man völlig unausgegorenen Blödsinn und „Ich hab keine Angst vor Corona!“ oder „Das ist alles nur Hysterie!“ (Ich persönlich, könnte ich mir aussuchen, in welcher Gesellschaft ich leben möchte, würde in jedem Falle eine wählen, die tödliche Viren ernst nimmt, meinetwegen auch „zu ernst“.)

Ist es nicht erstaunlich, dass der Grad an individueller Gefahrenerkennung und entsprechendem Handeln im vordergründig kollektivistischen China wesentlich höher ist als in Europa? Das liegt an dem kaum zu entkräftenden und sich hartnäckig in den Köpfen haltenden Missverständnis, wonach Chinesen kollektivistisch ticken. Die Wahrheit ist jedoch: Chinesen werden nicht kollektivistisch erzogen, wie im Westen oft fälschlicherweise angenommen, sondern relationalistisch, genauer: familistisch. (Ein weiterer Grund, warum die Kultur noch niemals unterging.) Die Qin-Dynastie hat ebenso wie zwei Jahrtausende später Mao versucht, die Menschen in einem kollektiven Geist zu erziehen. Beide sind damit gescheitert. Die Familie erwies sich immer als stärker. Mit Familie sind dabei nicht allein Eltern und Kinder gemeint, sondern die Sippe, also ein größerer Kreis, der sich auf eine gemeinsame Abstammung berufen kann. Manchmal umfasst dieser ein ganzes Dorf, in dem alle denselben Nachnamen tragen und einen gemeinsamen Ahnenschrein unterhalten. In der Familienüberlieferung und Ahnenverehrung leben die Verstorbenen auch nach dem Tode fort. Familienchroniken werden in China deshalb besonders gepflegt und reichen oft über viele Jahrhunderte zurück. Die Ahnenverehrung im Familientempel ist eine quasi-religiöse Betätigung. Familie ist für Chinesen Religionsersatz, Schutzraum und Sozialsystem in einem. Und ich erlebe es hier gerade unmittelbar: Hier stemmt sich ein komplettes Land mit aller Macht gegen einen unsichtbaren Feind. Die jahrtausendealten, chinesischen Überlebensstrategien greifen auch jetzt und es ist unglaublich spannend, das am eigenen Leibe mitzuerleben, so furchtbar die Lage auch ist. Familien rücken zusammen, Menschen solidarisieren sich untereinander, etliche Leute richten online Hilfsfonds und Spendenkonten ein (auch meine Frau), alles ganz ohne Staat und „Sozialhilfe“.

Und dann schaut man ins völlig planlose Deutschland. Alle zerfleischen sich, jeder ist jetzt wieder Bundestrai…, Verzeihung, Virologe und schlauer als der Rest, Wohlstandsverwahrloste regen sich darüber auf, evtl. auf das 97. Konzert einer Band verzichten zu müssen, die sie schon zehnmal gesehen haben, andere treffen sich zum fröhlichen Weißwurstessen, als geschehe gegenwärtig nicht das Geringste. Es ist zum Wahnsinnigwerden. Ihr lebt in einem gespaltenen und kollabierten Land, das sich seinen Untergang redlich verdient hat. Wenn halt nicht die wenigen Anständigen und Vernünftigen von den Idioten mit in den Abgrund gezogen werden würden, zumal sukzessive alle verbliebenen, rationalen Stimmen brutal niedergebrüllt, ausgegrenzt, ignoriert oder dämonisiert wurden und werden.

Bei einer Pandemie muss man immer vom worst case ausgehen! Wenn dann alles nicht so schlimm kommt, umso besser! Aber was, wenn nicht?

Ich gehe davon aus, dass hier in China die Sache bis Mai ausgestanden ist, dann wird euch der Peak womöglich gerade erst bevorstehen. Buntland hat halt das Pech, seit sehr langer Zeit mit einer extrem inkompetenten Führung ausgestattet zu sein. Ich bin mir sicher, dass jemand wie Helmut Schmidt da sehr viel schneller, besser und präziser reagiert hätte. China hat der Welt durch seine harte Reaktion Zeit erkauft – die hätte man nutzen können. Auch hätte man sich 2002 nach SARS theoretisch einmal informieren können, wie das ablief, worauf man sich einstellen kann usw. usf.

Südkorea hat das gemacht. Die haben zwar hohe Zahlfallen, aber sehr wenig Todesfälle (über 8.000 Infizierte, aber nur 75 Tote), weil sie nach SARS entsprechende Notfallprogramme aufgelegt und regelmäßig trainiert haben. Südkorea liefert vermutlich die besten und vertrauenswürdigsten Zahlen, sie testen extrem viel und genau, die Bevölkerung ist vorbreitet, die Ärzte geschult. Taiwan hatte ich auch schon erwähnt.

Hierarchien entstehen normalerweise dank Kompetenz – in Deutschland aber sehen wir, dass fast auf allen Ebenen nicht Kompetenz der entscheidende Schlüssel ist, sondern die Zugehörigkeit zu den richtigen Netzwerken, der richtigen Ideologie usw. – im Gegenteil: wer kompetent ist, wird ausgebremst, vertrieben, aufs Abstellgleis geschoben. Die Erosion des Vertrauens läuft und läuft. Gesellschaften mit niedrigem Vertrauenslevel sind verheerend – da will man nicht leben, weil alle Transaktionskosten so hoch (zu hoch) sind. Es war einer der ganz großen Vorteile Deutschlands, dass es sich einst um eine Gesellschaft mit extrem hohem Vertrauenslevel handelte. Das wurde und wird seit ca. 20 Jahren sukzessive zerstört, extrem exzessiv seit rund fünf Jahren.

Hierarchien haben immer Bestand und werden immer auftauchen, weil sie ein natürlicher Bestandteil von Gesellschaften (nicht nur menschlicher) sind. Die Frage ist: Worauf basiert die Hierarchie und worauf ist sie ausgerichtet: Auf sich selbst oder auf das Ganze? Geht es um reinen Machterhalt oder (echtes) „Gemeinwohl“? Geht es um echte Kompetenz oder Gruppenzugehörigkeit?

Am Ende sehen wir eine stete Spirale und es braucht scheinbar diese schlimmen Krisen zur Katharsis und Reinigung (siehe Artikel: Die vier Generationen); und nachdem die Hierarchie aus Gründen des Machterhalts diese Reinigung seit nunmehr mindestens 1987 vor sich herschiebt, wird das finale Reinmachen recht groß ausfallen müssen.

Bitte nehmt die gegenwärtige Pandemie ernst. Was könnt ihr schon verlieren, wenn ihr vorsichtig seid und euch wappnet? Gar nichts. Erweist sich am Ende alles als halb so wild, ist das großartig. Im schlimmsten Fall musstet ihr dann eben ein paar Wochen auf dies und das verzichten. Wäre das wirklich ein Weltuntergang?



13. März 2020 - 12:00 Uhr


Schrecklicher Verdacht: Könnte es sich augenblicklich unter Umständen vornehmlich um böse, alte, weiße Männer in den USA, Israel und Australien handeln, die an einem Corona-Impfstoff dran sind? Wer weiß.

Ich möchte damit selbstverständlich niemanden vor den Kopf stoßen. Im Anschluss dürfen besagte Wesen natürlich wieder für jedes Unheil und Unglück dieses Planeten verantwortlich gemacht werden. Nur zwischendurch müssen sie halt so lästige Dinge tun wie das Schaffen (oder Retten) von Zivilisationen. Sad.

Bleibt gesund.



08. März 2020 - 12:00 Uhr


Ein kleines Update von uns: Wir sitzen zwar immer noch zuhause, aber die Lage scheint sich in Beijing schrittweise zu verbessern. Die Stadt ist hermetisch abgeriegelt und niemand aus Risikogebieten kann einfach so hereinspazieren. Jeder muss in Quarantäne, egal wie angereist wird. Angesichts des Umstandes, dass wir hier inoffiziell fast 30 Millionen Einwohner haben, ist das schon beachtlich. Ich hatte vor einigen Wochen zu meiner Frau gesagt, dass wir in der Hauptstadt vielleicht einen Vorteil haben, nachdem Xi, seine Frau und seine Tochter ebenfalls hier wohnen.

Wir haben darüber hinaus mittlerweile alle eine Corona-App, die uns mitteilt, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Entfernung von uns irgendjemand als infiziert diagnostiziert wurde. Insgesamt wirkt es auf jeden Fall so, als würde das Leben etwas mehr auf die Straßen zurückkommen. Ich sehe mehr Leute draußen, natürlich alle nach wie vor mit Maske. Es gab hier scheinbar auch seit über zwei Wochen keinen neuen Toten.

Aber es ist krass, wenn man bedenkt, dass Beijing von Wuhan über doppelt so weit entfernt ist als beispielsweise die Lombardei von Bayern. Und trotzdem hat es uns hier erwischt. Der gemeine Buntbürger geht erstmal ins Stadion und hetzt gegen Unternehmer.

Auch lustig sind die Sprüche von wegen "interessant, wer von Freiheitlichen jetzt nach einem starken Staat ruft". Meine Fresse, wie realitätsfremd kann man eigentlich werden? Ein Buntbürger, der sich seit etlichen Jahren ohne staatliche Genehmigung nicht einmal die Schuhe selbstständig binden kann und will, soll jetzt auf einmal "seine Freiheiten ausleben müssen" und Selbstdisziplin an den Tag legen können? Dass ich nicht lache. Dass es einem Virus zudem scheißegal ist, wenn er wegen Bequemlichkeitsverblödung ignoriert wird, scheint ebenfalls nicht begriffen zu werden.

Was ist ein allgemeines Ignorieren bei alltäglichen Vergnügungen künftig eigentlich wert, wenn man stets im Hinterkopf darum weiß, sich oder Familienmitglieder infizieren zu können? Ich hätte jetzt jedenfalls keine allzu große Freude daran, mit meiner Kleinen im Bällebad herumzuhüpfen. Einfach aus vorübergehender Vorsicht! Es IST nunmal jetzt eine Plage, die wir alle überstehen müssen, bevor wir wieder einen normalen Alltag haben können.



01. März 2020 - 12:00 Uhr


Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Aussetzung der Bundesliga zu wesentlich engagierteren Unruhen führen würde als jede noch so rationale und sich um das Wohlergehen (!) der Leute sorgende Aufklärung.

Die Bundesliga ist nicht nur stark im „Zeichen setzen gegen rrräächtz“ und solidarisiert sich untereinander maximal im antikapitalistisch-degenerierten Neidhass gegen Unternehmer, Wohlstandsschaffer und Freudenspender wie Dietmar Hopp (der in einigen Wochen wahrscheinlich um die Herstellung eines Impfstoffs angebettelt werden wird), nein, sie bildet in erster Linie den mitunter wichtigsten Part des Brot-und-Spiele-Prinzips. Nimm dieses für den Staat überlebensnotwendige Element weg und der schlafende Steuermichel wird sich die Kartoffelchips aus der Arschritze puhlen und empört erheben.

Geldentwertung? Salamitaktisch daherkommender Klimatotalitarismus? Massenimport IQ-inkompatibler Bereicherungsaggressoren? Eine tödliche Virenplage? Drauf geschissen. Lasst uns also gemeinsam trällern, denn was einzig zählt, ist: „54, 74, 90, 22, ja so stimmen wir alle ein...!“ (Spotzfreunde Killer)

Tirili.



27. Februar 2020 - 12:00 Uhr


Beim Lesen der Neu-Infektionen habe ich gerade ein Déjà-vu. So ging es hier auch los. Da ein paar neue Infektionen, dort ein paar neue. „So schlimm wirds bestimmt nicht!“, dachten hier auch viele – vor gerade einmal einem Monat. Mittlerweile haben wir über 78.000 Infizierte und 2615 (offizielle) Tote im Mainland zu beklagen.

Passt bitte auf euch auf und nehmt die Sache ernst! Deckt euch mit Vorräten, Masken, entsprechenden Handschuhen, Desinfektionsmitteln und Schutzbrillen ein. Das Prinzip sollte lauten: Lieber haben und nicht brauchen als brauchen und nicht haben.

Vermeidet große Menschenmengen und öffentliche Verkehrsmittel. Unter Umständen wäre es auch nicht schlecht, vorübergehend nicht in der Weltgeschichte herumzugondeln.



26. Februar 2020 - 12:00 Uhr


Coronavirus in Baden-Württemberg und NRW bestätigt. Leute, aufwachen! Handeln!



25. Februar 2020 - 12:00 Uhr


Vielleicht könnte man sich ja allmählich mal von der Klima- und Nazihysterie in Buntland abwenden, die Phantom- und Geisterjagd wenigstens vorübergehend einstellen, und sich stattdessen einem REALEN Problem direkt vor der Haustür zuwenden.

#CoronaistnichtnureinbessererSchnupfen



24. Februar 2020 - 12:00 Uhr


Ich befürchte, die meisten Maßnahmen, die zur Vorbereitung auf das vorrückende Coronavirus ergriffen werden müssten, beißen sich mit den buntsozialistischen Vorgaben einer Gesellschaft, die „entschlossener denn je“ damit beschäftigt ist, irgendwelche Phantome zu jagen und nunmehr 24 Stunden am Stück an den Konsequenzen bzw. Kettenreaktionen ihrer eigenen katastrophalen Entscheidungen herumdoktert.



22. Februar 2020 - 10:00 Uhr


Hallo Tatjana!

Wir hatten uns um Chinese New Year herum in weiser Voraussicht komplett mit Vorräten eingedeckt, so dass wir mindestens sechs Wochen davon leben können.

Glücklicherweise ist die Lage in Peking nicht so dramatisch wie in Hubei. Es geht zwar kaum jemand raus und die Compounds sind alle abgeriegelt, aber die Supermärkte beliefern die Compounds. Entgegen irgendwelcher Horrornachrichten, die in Buntland hier und da gesät werden, sind die Regale in den Supermärkten nach wie vor prall gefüllt. Lieferungen werden am Gate des Compounds über die Absperrung gehoben. Wenn wir raus gehen, dann mit Maske, Brille und AIDS-Handschuhen. Man hat festgestellt, dass der Virus bis zu 40 Tage (!) auf beliebigen Oberflächen überleben kann. Wie will man den jemals wieder einfangen?

Überall wird Fieber gemessen. Es gibt Checkpoints in Compounds. Vor ein paar Tagen musste ich in meine Schule wegen wichtiger Unterlagen. Zuvor musste ich einen Fragenbogen ausfüllen und natürlich Fieber messen. Überhaupt müssen wir seit über einem Monat jeden Tag einen "Daily Health Report" an die örtlichen Behörden schicken.

Ich koordiniere und versorge von zuhause etwa 100 Schüler online mit Arbeit. Meine Schüler und Kollegen sind über die ganze Welt verstreut, so dass Online-Konferenzen schwierig sind, aber es klappt einigermaßen. Ich beantworte rund 50 Emails pro Tag.

Zeitgleich müssen wir natürlich unsere Kleine bespaßen, die zu jung ist, um zu verstehen, warum wir nicht mehr raus gehen. Wegen ihr sind wir auch in Peking geblieben, da es unmöglich ist, einer Zweijährigen zu erklären, über 14 Stunden (Einchecken, Boarding, Flug) eine Maske und Brille aufzusetzen. Klappt niemals.

Viele Grüße von Philipp aus Peking



04. Februar 2020 - 10:00 Uhr


Seit zwei Tagen Lehrer im Remote-Modus. Funktioniert erfreulicherweise sehr gut.



31. Januar 2020 - 10:00 Uhr


Zum aktuellen Stand der Dinge bzgl. Corona:

Von dem, was ich in Beijing mitbekomme, habe ich persönlich den Eindruck, dass eine (landesweite?) Taktik womöglich (!) darin besteht, den Virus auszusitzen, nachdem die Inkubationszeit 14 Tage beträgt.

Die Compounds wurden abgeriegelt, hinein kommt man nur mit Sondergenehmigung. Ich dürfte zwar raus und auch das Land verlassen, aber ich denke, das Aussitzen ist vorerst die bessere Option. Arbeit findet ab nächster Woche online statt, meine Schule bleibt vorerst bis 17. Februar geschlossen. Ich denke, dass dies nicht nur bei uns der Fall sein wird, sondern auch die meisten anderen Betriebe betrifft.

Darüber hinaus müssen alle „Expats“ mittlerweile täglich über den Arbeitgeber ein Online-Formular zum Gesundheitszustand ausfüllen und an die örtlichen Behörden schicken, bei Chinesen verhält es sich ähnlich, jedenfalls bei uns.

Am Montag sollen zwei neue Krankenhäuser in Wuhan eröffnet werden, die im Schnellverfahren in einer Woche hochgezogen wurden.

Soweit für den Moment.



25. Januar 2020 - 10:00 Uhr


Danke für die Nachfragen wegen des Coronavirus. Uns geht es soweit gut. Wir meiden Menschenmengen und gehen aktuell nur für das Nötigste raus. Leider lagen heute Morgen offenbar auch die ersten Toten in Beijing.

Heute Morgen rief uns die Polizei an und fragte nach, ob wir in Hubei waren, wo das Virus am schlimmsten um sich greift.

Was ich sonst noch mitbekommen habe: Das Militär hat mittlerweile 450 Fachmediziner nach Wuhan entsendet. Es wird zudem aktuell ein spezielles Krankenhaus in Wuhan errichtet, das nach 10 Tagen einsatzbereit sein soll.

Darüber hinaus wurden alle Festivitäten gestrichen, viele Sehenswürdigkeiten geschlossen. Aktuell stehen 18 Städte und 56 Millionen Menschen unter Quarantäne. Bisher mindestens 46 Tote. Friedhofsstille. Happy Chinese New Year.